Kleine Antennen – grosse Worte

Kinder merken alles. Sie sind wie Schwaemme, die alles aufsaugen. Und ihre kleinen Emotions-Antennen funktionieren hervorragend. Letztens durfte ich das an einem Wochenende feststellen, und es hat mich ganz schoen umgehauen:

Sonntage find ich stressiger als Montage. Ja, zumindest mit einer Tochter im Spielplatzalter und einem Mann, der erst mal schoen am Wochenende ausschlafen muss, weil sein Job in der naechsten Woche so anstrengend ist. Wer sagt da eigentlich, dass Erziehung nicht anstrengend ist? Ich weiss, ich goenn ihm ja den Schlaf – und alle Nasen bin ich auch mal dran mit Ausschlafen – so nach der Samstag – Sonntag – Regelung, die Freunde von uns vorschlagen, machen wir’s aber doch nicht. (Da waere Samstag der eine dran, Sonntag der andere.) Ich muss ehrlich sagen, es hat sich so eingebuergert, da hab ich ja selbst mitgewirkt. So weiss ich wenigstens, dass ich einen Mann gegen 11 Uhr habe, den ich sogar trotz schlechter Radiomusik zu jeglichen Geluesten beim spaeten Fruehstueck verleiten kann. Sei es meine Vorstellung vom Verbringen des Tages oder unsere naechste Urlaubsplanung. Aber letztens hatte ich Sonntag doch ganz gehoerig die Schnauze voll. 

Es fing damit an, dass Julia fuer meinen Geschmack viel zu frueh wach war – 6:30 Uhr an einem Sonntag, nachdem wir uns einen Abend mit Wein und Freunden gegoennt hatten, stand sie vor meinem Bett und verkuendete, dass sie schon ganz allein Pipi machen war. Ich daraufhin: “Auf der Toilette oder im Bett?” Es stellte sich heraus, auf ihrem neuen Teppich. Nach Teppich-Auswaschen, war dann erstmal ein Kaeffchen notwendig. Aber dazu kam ich erst nachdem ich einen Wal mit Bausteinen und viel Phantasie mit Julia entwarf. Das Fruehstueck, das ich zubereitete – Pfannkuchen mit Bananen – schmeckte ihr nicht, da wollte sie dann doch lieber Ruehreier – und da sie mich so lieb drum bat und ich eh nicht viel um 8 Uhr an einem Sonntag Vormittag vorhatte, machten wir uns an das Eierschlagen.

Der Spaziergang zum Spielplatz wurde ein Schneckenlauf, weil Julia trotz 9 Uhr morgendlicher Hitze von 28 Grad in der Grossstadt jeden erhobenen Bordstein um die Baueme herum balancieren muss, die eigentlich hauptsaechlich in New York als Hundeklo benutzt werden. Endlich angekommen, spielt sie freudig und klettert auf ein Geruest, wo wir von einer Pitbull-Mama erstmal angeraunt werden, dass Julia doch aufpassen soll, weil ihr Engel vor ihr rumbalancierte. Mir blieb fast die Spucke weg, so nah waren sich die beiden gar nicht gekommen und noch nie habe ich Eltern auf dem Spielplatz so zueinander reden hoeren. Naja, ihr ist auch ein schlechter Morgen gegoennt, vielleicht hatte sie grad gelernt, dass Ihr lang Angespartes von Madoff verspielt ist. (Wobei ich sagen muss, das ist noch lang kein Grund, es an uns auszulassen). Nach einer aeusserst harten Weglockungs-Taktik, (Daddy ist bestimmt schon wach)  so dass ich noch mit Julia zum Oeko-Markt kam, bevor sie mir zu muede im Kinderwagen zusammenbricht, kauften wir frischen Fisch, Kartoffeln – ja die lieb ich als deutsche Kartoffel immer noch – und Salat. Zu Hause angekommen, war ich dann erstmal geschafft, fing aber gleich an zu kochen. Wenig spaeter stand das Essen auf dem Tisch, mein Mann war aufgestanden – sah gut ausgeschlafen aus und Julia hatte schon die mueden, glaeserne Augen, die ich so gern sehe, weil ich weiss, jetzt gibt’s ein Stuendchen Mittagsschlaf. Mit einem tiefen Seufzer liess ich mich auf meinen Stuhl senken und muss unheimlich muede ausgesehen haben. Mein Mann fing einfach an zu essen und ich bereute es schon fast, dass ich ihn hatte schlafen lassen. Besonders mit vor-menstrualen Hormonschwingungen haette mich da ein falsches Wort aus der Bahn werfen koennen. Da sagte Julia mit noch nicht einmal drei Jahre junger, klarer, zarter Stimme: “Danke fuers Kochen, Mama.” 

Mein Mann und ich schauten uns verbluefft an, dann sagte auch er: Danke! Ich gab Julia einen Kuss und ein entspanntes Laecheln machte sich auf meinem Gesicht breit.


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