Archiv für die ‘Time: a new dimension’ Kategorie

Kinder muessen draussen bleiben

Thursday, September 3rd, 2009

“Wie war dein Sommer?” begruesst mich Kara, fuer deren Kollektion ich als Model arbeite. Ich gerate ins Stocken – es ist Ende July und fuer mich hat der Sommer gerade mal nach langen Regentagen in Manhattan angefangen. “Wie? Schon vorbei?” So machen das die New Yorker, kaum ist der July da, werden in den Kaufhaeusern die Weihnachtsdekos rausgekramt.

Zu Hause nach der Arbeit, nachdem Julia im Bett ist, setze ich mich sofort ans Internet, um unser Wochenende im Oktober zu buchen. Die Grosseltern kommen aus Deutschland zu besuch – da wollen wir ihnen gern New Hope, das vertraeumte Staedttchen in Pennsylvania zeigen. Aber was sehen da meine trueben Augen? Fast ausnahmslos alle Pensionen und kleinere Hotels haben eine “Keine Kinder”-Regelung. Da steht dann: “Kinder ab 13 Jahren sind willkommen.” Ich kann mir so richtig vorstellen, wie die Jugendlichen ab 13 es kaum erwarten koennen, ueber’s Wochenende mit ihren Eltern den Farbenwechsel der Baeume anzuschauen und Antiklaeden mit Mama und Papa abzuklappern. Ja klar!

Warum haben solche Einrichtungen nicht sofort ein Schild mit einer schwarz geraenderten Abbildung von Kindern und einem roten Strich durchgezogen? Daneben wuerde stehen:  ”Wir muessen draussen bleiben!”

In mir regt sich ein Unmut gegen Ungerechtigkeit. Meine Tochter ist doch kein Hund! 

Am naechsten Morgen rufe ich mehrere Pensionen an. Tatsaechlich. Die meisten weichen keineswegs von ihrer Regel ab. Eine einzige nette Dame laesst sich meinen Namen und Nummer geben: sie wuerde es “abklaeren”. (Wahrscheinlich lande ich da auf einer schwarzen Liste: “Achtugng, Kind! In Zukunft bloss kein Zimmer anbieten!”)

Sollte unser vertraeumtes Wochenende mit Grosseltern und Julia samt Kastaniensammeln und Ziegen fuettern nicht moeglich sein wegen einer Keine-Kinder-Regelung? 

Kurz ziehe ich in Erwaegung, jemandem von der UN zu schreiben: Faellt das unter Menschenrechtsverletzung? Erst aber rufe ich Allison an, Mutter zweier Kleinkinder und Amerikanerin. “Nee, also das versteh ich total. Das wuerde ich auch nicht wollen, wenn ich mit Steve wegfahre, dass da Kinder rumschreien!”

“Kinder!” – die Betonung hoert sich fast an wie eine Plage: etwa wie Muecken in Mexico, Kampfhunde in Central Park – Kinder in New Hope! Oh nein!

Wo fahren denn Familien hin? (Das groessere Hotel in New Hope, das Kinder “akzeptiert”, ist Ende July fuer Oktober ausgebucht). Also wohin? Alaska? 

Als naechstes suche ich in Woodstock, vielleicht sind die Ex-Hippies da entspannter?

Kleine Antennen – grosse Worte

Saturday, August 22nd, 2009

Kinder merken alles. Sie sind wie Schwaemme, die alles aufsaugen. Und ihre kleinen Emotions-Antennen funktionieren hervorragend. Letztens durfte ich das an einem Wochenende feststellen, und es hat mich ganz schoen umgehauen:

Sonntage find ich stressiger als Montage. Ja, zumindest mit einer Tochter im Spielplatzalter und einem Mann, der erst mal schoen am Wochenende ausschlafen muss, weil sein Job in der naechsten Woche so anstrengend ist. Wer sagt da eigentlich, dass Erziehung nicht anstrengend ist? Ich weiss, ich goenn ihm ja den Schlaf – und alle Nasen bin ich auch mal dran mit Ausschlafen – so nach der Samstag – Sonntag – Regelung, die Freunde von uns vorschlagen, machen wir’s aber doch nicht. (Da waere Samstag der eine dran, Sonntag der andere.) Ich muss ehrlich sagen, es hat sich so eingebuergert, da hab ich ja selbst mitgewirkt. So weiss ich wenigstens, dass ich einen Mann gegen 11 Uhr habe, den ich sogar trotz schlechter Radiomusik zu jeglichen Geluesten beim spaeten Fruehstueck verleiten kann. Sei es meine Vorstellung vom Verbringen des Tages oder unsere naechste Urlaubsplanung. Aber letztens hatte ich Sonntag doch ganz gehoerig die Schnauze voll. 

Es fing damit an, dass Julia fuer meinen Geschmack viel zu frueh wach war – 6:30 Uhr an einem Sonntag, nachdem wir uns einen Abend mit Wein und Freunden gegoennt hatten, stand sie vor meinem Bett und verkuendete, dass sie schon ganz allein Pipi machen war. Ich daraufhin: “Auf der Toilette oder im Bett?” Es stellte sich heraus, auf ihrem neuen Teppich. Nach Teppich-Auswaschen, war dann erstmal ein Kaeffchen notwendig. Aber dazu kam ich erst nachdem ich einen Wal mit Bausteinen und viel Phantasie mit Julia entwarf. Das Fruehstueck, das ich zubereitete – Pfannkuchen mit Bananen – schmeckte ihr nicht, da wollte sie dann doch lieber Ruehreier – und da sie mich so lieb drum bat und ich eh nicht viel um 8 Uhr an einem Sonntag Vormittag vorhatte, machten wir uns an das Eierschlagen.

Der Spaziergang zum Spielplatz wurde ein Schneckenlauf, weil Julia trotz 9 Uhr morgendlicher Hitze von 28 Grad in der Grossstadt jeden erhobenen Bordstein um die Baueme herum balancieren muss, die eigentlich hauptsaechlich in New York als Hundeklo benutzt werden. Endlich angekommen, spielt sie freudig und klettert auf ein Geruest, wo wir von einer Pitbull-Mama erstmal angeraunt werden, dass Julia doch aufpassen soll, weil ihr Engel vor ihr rumbalancierte. Mir blieb fast die Spucke weg, so nah waren sich die beiden gar nicht gekommen und noch nie habe ich Eltern auf dem Spielplatz so zueinander reden hoeren. Naja, ihr ist auch ein schlechter Morgen gegoennt, vielleicht hatte sie grad gelernt, dass Ihr lang Angespartes von Madoff verspielt ist. (Wobei ich sagen muss, das ist noch lang kein Grund, es an uns auszulassen). Nach einer aeusserst harten Weglockungs-Taktik, (Daddy ist bestimmt schon wach)  so dass ich noch mit Julia zum Oeko-Markt kam, bevor sie mir zu muede im Kinderwagen zusammenbricht, kauften wir frischen Fisch, Kartoffeln – ja die lieb ich als deutsche Kartoffel immer noch – und Salat. Zu Hause angekommen, war ich dann erstmal geschafft, fing aber gleich an zu kochen. Wenig spaeter stand das Essen auf dem Tisch, mein Mann war aufgestanden – sah gut ausgeschlafen aus und Julia hatte schon die mueden, glaeserne Augen, die ich so gern sehe, weil ich weiss, jetzt gibt’s ein Stuendchen Mittagsschlaf. Mit einem tiefen Seufzer liess ich mich auf meinen Stuhl senken und muss unheimlich muede ausgesehen haben. Mein Mann fing einfach an zu essen und ich bereute es schon fast, dass ich ihn hatte schlafen lassen. Besonders mit vor-menstrualen Hormonschwingungen haette mich da ein falsches Wort aus der Bahn werfen koennen. Da sagte Julia mit noch nicht einmal drei Jahre junger, klarer, zarter Stimme: “Danke fuers Kochen, Mama.” 

Mein Mann und ich schauten uns verbluefft an, dann sagte auch er: Danke! Ich gab Julia einen Kuss und ein entspanntes Laecheln machte sich auf meinem Gesicht breit.

Multitasking

Tuesday, April 14th, 2009

“Get the junior bed!,” she says to me. Otherwise you’ll just have to buy a new one next year because they grow so fast”. I watch how Kate bends down on the street to shovel her dog’s shit into the plastic bag: dog leash and stroller in one hand while she’s holding Nina’s tiny hand in the other. Wait, does she have three hands? I am carrying some groceries and am holding my daughter’s hand. Nina, Kate’s three year old, yanks on Kate’s arm. She wants to run. Kate’s one year old starts crying in the stroller. Kate loses balance, her face hovering dangerously close over the shoveled shit. I can just grab the back of her jacket to hold her up. One of my grocery bags falls down, eggs break and we break out in laughter.

We eventually made it home without any more kids crying or things breaking. But we never finished our conversation about the “toddler versus junior bed”. But that’s another story.

I ask myself rather, how much multitasking can one do without messing one thing up?

Multitasking might be the ultimate oxymoron for mothers. We all do it, but we all know it makes nobody happy thus it’s really impossible. Raising and spending time with a child requires, as I learned the hard way, 100% attention and focus. Absent-mindedness is what makes your baby wail. It is what inspires your toddler to pull the crayons out to doodle your precious sofa. When suddenly listening to your friend on the phone switching to that annoying “email-voice” (Hallowell, E.M., Ballantine, 2006), wouldn’t you do the same? Well, substitute “crayons” and “sofa” for “befriending” and “facebook”. Having always been someone who rather concentrates on emails and phone calls, as well as cooking and shopping online at the same time, than doing one thing alone, spending time with my daughter has taught me, how not to do too many things at once. With a child, there is only one moment: “now”. And you know it when you do the same mistake over and over again, trying to tell her/him about a wonderful upcoming event. Then tears are shed, since he/she wants it “now”. If one tries, spending time with children heals. If we listen, if we are “there now”, we can learn. We learn real focus and attention and thus we learn to be happier. We learn to stay in the moment.
Guess what, here is another paradox, focusing on a single task will only help your multitasking: Multitasking is an illusion, since we can only deal with many things by shifting our focus from one thing to the other (just in a rapid way by way of the amazing prefrontal cortex), but we can never do anything simultaneously. (Even computer, for which the term was first used, don’t multitask for real. They just process one task, while others are waiting in line (context switch).
So you just get better at switching focus by really focusing on dancing with your baby or by fully concentrating on that book with your little one. As long as we do these things, there is nothing wrong with every once in a while typing a text on your blackberry while pushing the stroller and talking to a friend that shovels her dog’s shit. Just don’t do this while crossing the street.